In der online-Ausgabe des „Kreuzer“ ist ein Beitrag über die Podiumsdiskussion am 21.03. erschienen. Da uns der Text recht missverständlich erschien, haben wir sogleich einen schicken Leserbrief verfasst:
Liebe Kreuzer-Redaktion,
mit diesem Brief reagieren wir auf den Beitrag von Marco Irrgang „Integrationsfrage: Ungelöst“ in der online-Ausgabe über unsere Podiumsdiskussion „Integration = Ausgrenzung? Zur Kulturalisierung sozialer Probleme“. Wir antworten auf diesen Artikel, weil er an vielen Stellen missverständlich formuliert ist und das grundlegende Anliegen der Veranstaltung falsch darstellt. (Viele Argumente sind aber auch richtig dargestellt.)
Nicht zuletzt der Titel des Beitrags stellt die Intention der Veranstaltung auf den Kopf. In der Diskussion wurde ganz und gar nicht nach einer „Lösung“ für eine „Integrationsfrage“ gesucht. Mit seinem Schlusssatz suggeriert Marco Irrgang gar, das Buch von Sarrazin habe Fragen aufgeworfen, deren „Lösung“ auf der Veranstaltung diskutiert worden sei. Das war nicht der Fall. Alle Podiumsteilnehmer/innen waren der Meinung, dass es sich bei dem Sarrazin-Buch um ein rassistisches Pamphlet handelt, das keineswegs relevante Fragen aufwirft, sondern selbst Teil des Problems (Rassismus) ist.
Ausgangspunkt der Diskussion auf der Veranstaltung war vielmehr, dass in der „Integrationsdebatte“ unter dem Begriff Integration Menschen stigmatisiert und diffamiert werden. Mit dem Schlagwort „Integrationsprobleme“ werden MigrantInnen zu Sündenböcken für allgemeine gesellschaftliche Missstände, wie Bildungsungerechtigkeit, Arbeitslosigkeit oder Sexismus gemacht. Unter dem Stichwort „Integration“ machen Regierung und Bundestag bereits seit einigen Jahren repressive Gesetze, die der Kontrolle und Ausgrenzung von MigrantInnen dienen.
In der Ablehnung dieser diskriminierenden Gesetze und der hetzerischen „Integrationsdebatte“ waren sich die Podiumsteilnehmer/innen einig. Von diesem Punkt startete die Diskussion.
Die Uneinigkeit bestand darin, ob man mit dem Begriff Integration im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung überhaupt noch etwas anfangen kann.
Imran Ayata und Rex Osa befanden, hinter „Integration“ stehe grundsätzlich eine Einteilung, Kategorisierung, Klassifizierung von Menschen (in Normale, gut Integrierte, zu Integrierende und nicht-zu-Integrierende). Das sei ausgrenzend und undemokratisch. Daniela Kolbe und Stojan Gugutschkow dagegen verteidigten ihre Position, sich unter dem Begriff der Integration für den Abbau von Ungleichbehandlung und rechtlicher Benachteiligungen einzusetzen.
Nicht so richtig beantwortet wurde am Ende der Veranstaltung die Frage nach Handlungsansätzen im Kampf gegen Rassismus. Ein erster Schritt aus unserer Sicht ist dabei, dem Gerede von „Integration“ eine Diskussion über Rassismus entgegenzustellen. Dafür sollte die Veranstaltung ein Anfang sein – und nicht für eine neue „Integrationsdebatte.“
Mit freundlichen Grüßen und der Bitte um Veröffentlichung,
Euer Bündnis gegen die Integrationsdebatte
P. S.: Einige Fehler haben sich in den Beitrag eingeschlichen, von denen wir die, die uns wichtig erscheinen, gerne richtig stellen würden: Rex Osa heißt nicht Rex Oser. Das The Voice Refugee Forum, in dem er aktiv ist, ist keine Organisation zur Beratung und Unterstützung von Flüchtlingen, sondern eine Selbstorganisation von Flüchtlingen. Daniela Kolbe hat auf der Veranstaltung sicher nicht gesagt, es gebe derzeit fünf Millionen arbeitslose Asylsuchende. Der Artikel suggeriert fälschlicherweise, es gebe nur deutsche Staatsbürger und Asylsuchende. Am stärksten Betroffen von den Zwangsmaßnahmen unter der Rubrik „Integration“ sind aber Menschen mit befristeter Aufenthaltserlaubnis (ohne deutschen Pass). Wir heißen „Bündnis gegen die Integrationsdebatte“ und nicht „Initiative…“.
Der Leserbrief ist inklusive einer Antwort von Marco Irrgang ebenfalls in der online-Ausgabe des „Kreuzer“ erschienen.
Gucksdu hier


